WhatsApp – das bessere Facebook für die Hörer?

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WhatsApp – das bessere Facebook für die Hörer?

Der Kicker macht es und Focus online auch. Sie bieten ihren Lesern in den jeweiligen  Apps an, ihre Inhalte auch über WhatsApp zu teilen. Und das mit Erfolg: „Wir machen mit unseren Feature sehr gute Erfahrungen. Genaue Zahlen möchten wir nicht nennen, doch die Shares über WhatsApp liegen über den Facebook-Shares,“ sagt Jürgen Schlott, Direktor Produkt und Marketing von Focus Online in einem Interview mit  dem Kress-Report 12/14. Einer der Gründe ist nach seiner Ansicht das rasante Wachstum von WhatsApp. Das bremst auch die Diskussion um fehlenden Datenschutz scheinbar nur wenig.  Inzwischen gibt es in Deutschland rund 27 Mio. registrierte Facebook-Nutzer aber schon über 31 Mio. „WhatsApper“.

WhatsApp und Radio

Das klingt doch viel versprechend, ist aber bei anderen Medienmarken und besonders bei den Radiosendern hierzulande noch nicht angekommen (Ausnahme MDR Sputnik, siehe Nachtrag vom 18.9.2014 unten). Dabei denke ich, dass gerade ihre Inhalte mit der natürlichen Nähe zu ihren Hörern beste Sharing-Chancen hätten. Denn schaue ich in meinen Bekanntenkreis, dann wird höchst selten über Twitter kommuniziert, allgemeineres läuft über Facebook, die große Kommunikationsplattform im persönlichen Bereich aber ist (inzwischen) WhatsApp. Die Radiosender kommunizieren mit Ihren Hörern aber in der Regel über Facebook – arbeiten also sozusagen mit der „zweitwichtigsten Plattform“.

Watson.ch

Das neue Newsportal aus der Schweiz watson.ch geht da viel rigoroser vor. „Wer es als Medienmarke schafft, in WhatsApp der Nutzer rein zu kommen, der wird richtig abgehen. Denn das ist der intimste Kreis,“ sagt Hansi Voigt, dem Gründer von watson.ch. Für ihn ist eine Empfehlung per WhatsApp pures Gold. Besonders spannend sei, dass viele WhatsApp-Nutzer ja schon in zahlreichen anderen Gruppen organisiert sind. Wenn in diesen Kreisen ein Link weiter gereicht wird, hätte die virale Verbreitung eine große Chance.  Folgerichtig bietet watson.ch in seiner App den Button „per WhatsApp senden an“ – siehe Screenshot.

 Screenshot Watson.ch

Die BBC als Vorbild

Noch weiter ist die BBC gegangen. Rund um die Wahl in Indien im April 2014 legten sie den Account „BBC News India“ an, über den sie ihren Lesern Nachrichten zum Teilen anboten. Die Leser mussten eine Telefonnummer als neuen Kontakt auf ihrem Smartphone eingeben, eine Textmesssage verschicken und ab da bekamen sie höchstens 3x pro Tag – so die BBC – ein aktuelles Update. Dabei hat sich die BBC der Broadcast-Funktion von WhatsApp zu Eigen gemacht. Sie ermöglicht es, „Nachrichten an viele Personen auf einmal zu schicken, ohne das die Empfänger sich gegenseitig sehen können“, wie es WhatsApp selbst in seinen FAQ`s beschreibt. In der Erweiterung dieser Funktion können „Broadcastlisten“ zusammengestellt werden, denen dann die Nachrichten geschickt werden.

Der Radio-WhatsApp-Traum

Übertragen wir diese Möglichkeit doch einfach mal aufs Radio und denken dabei daran, WhatsApp kann auch Sprachnachrichten. Das Ergebnis: Wir bauen Broadcastlisten von unseren Hörern auf. Wir lassen unsere Frühmoderatorin oder unseren Frühmoderator die Morningshow per WhatsApp persönlich ankündigen und landen damit als Nachricht auf den Smartphones der Hörer. (Interessant in diesem Zusammenhang: Die Kollegen von Chip.de haben eine Möglichkeit gezeigt, wie WhatsApp auch vom PC aus genutzt werden kann.) Wie großartig wäre das denn, wie nah kämen wir damit an unsere Hörer und wie direkt ist dieser Weg. Zudem ist das Ganze ja ausbaubar: Sie legen zum einen eine Frühsendungsliste an, zum anderen auch eine (Lokal-)Newsliste oder ja vielleicht sogar einen Gewinnspielliste. Sicherlich bräuchte es in Deutschland etwas Überzeugungsarbeit, dass die Hörer sich so anmelden. Aber wenn einer Vertrauen bei seinen Hörern genießt, dann sind es doch gerade die FrühmoderatorInnen bzw. die Radiosender. Also WhatsAppen sie doch mal ein wenig und schreiben Sie mir gerne von ihren Erfahrungen.

Nachtrag vom 18.9.2014:

Tom Leonhardt  – Danke Tom – hat mich darauf hingewiesen, die Kollegen von MDR Sputnik haben WhatsApp schon länger in Ihre Hörer-Kommunikation integriert. Hier ein Interview über Ihre Erfahrungen bei Radioszene vom 3. August diesen Jahres und hier die Sputnik-Kontaktseite.

Nachtrag vom 26.9. 2014:

Auch YouFM und Radio Arabella “sind jetzt auf WhatsApp gekommen”, wie die Kollegen von radioszene.de berichten.

Interessant ist auch die Analyse, die die Kollegen von netzwetig.com präsentieren. Sie arbeiten die Parallelen zwischen RRS-Feed und WhatsApp-Posting heraus. Exemplarisch beschreiben sie die Aktionen der BBC – siehe oben – und auch des Schweizer Radio und Fernsehens – SRF – bei WhatsApp und nehmen an, dass das erst der Anfang eines neuen medialen Kommunikationsweg sein könnte. Zitat: “Denn das ungebrochene Wachstum von WhatsApp mit seinen jetzt über 600 Millionen aktiven Anwendern sowie jüngste Ergebnisse einer Studie, die eine Verlagerung der öffentlichen Sharing-Aktivitäten bei Facebook hin zum privatem Teilen von Informationen über Messenger-Anwendungen erkannte, implizieren, dass User tatsächlich ein Interesse daran haben könnten, mehr als nur Chat-Nachrichten über WhatsApp, Messenger und Co zu erhalten.”

Nachtrag vom 29.9.

Interessant: Der Redakteur Konrad Weber hat im Vorfeld über die Absichten des SRF`s mit seinem WhatsApp Experiment geschrieben, Kollege Marc Krüger fand es im Nachhinein sehr gelungen.

Nachtrag vom 27.11.

WhatsApp sorgt weiter für Furore. Hier ein Artikel von media.de u.a. zur Wirkung von WhatsApp am Beispiel des FC Valencia. Und auch weitere Radiosender wie z.B. Antenne MV und Radio Arabella sind auf den WhatsApp-Kommunikationszug aufgesprungen. Zudem bin ich im Rahmen meiner Dozententätigkeit an der Uni Düsseldorf noch auf diesen interessanten (und schon etwas älteren) Artikel in Sachen WhatsApp-Nutzung im Radio gestossen. Der Beitrag der Kollegen von Radioszene führt auch ein Beispiel zur Echtzeit-Nutzung von WhatsApp (siehe letztes Beispieltake) auf. Die Soundfiles kommen von Sputnik. Schneller kann Radio nicht sein.


Verschläft das Radio seine Zukunft?

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Jahresanfang = Trendzeit: Überall poppen sie auf, die Einsichten, die Ansichten und die Aussichten zur großen Frage –  wie wird das Medienjahr 2012? Immer in der vorderster Reihe mit dabei ist der Begriff des Medienwandels. Ja, wo wandelt er denn – möchte ich mal in Bezug auf`s Radio fragen?  Sicher, es hat sich schon einiges getan und unser Medium hat sich (ein wenig) gewandelt. Wir Radiomacher haben z.B. das Netz entdeckt, haben uns schöne und funktionale Homepages aufgebaut, wir sind inzwischen bei Facebook aktiv, nutzen die Plattform auch als Rückkanal, sind teils bei Twitter zu finden oder beginnen uns bei google+ zu engagieren. Wir nutzen die Programmverlängerung ins- und die Kommunikation durchs Netz. Wir setzen Beiträge zu klassischen Servicethemen wie Netzsicherheit etc. Wir wiederholen Mantra-artig „mehr dazu im Netz“. Aber ist das der Medienwandel? Eher die konservative Variante – ein Medienwandel light.

Der Klang, die Konzepte und die inner-redaktionellen Strukturen sind die gleichen geblieben. Sendeuhren, Musiklaufpläne, Nachrichtepräsentationen, Gewinnspiele, Redaktionen funktionieren (meist) nach alten Maßstäben und Richtlinien. Und inhaltlich hat sich auch wenig gewandelt, die gleichen Themenfelder, die gleichen Präsentationsformen. Doch der Weg müsste doch ein anderer sein. Viele unserer Hörer leben im Netz bzw. verbringen (sehr) viel Zeit im Netz. Nach unserer alten Maxime –„Radio ist da, wo die Hörer sind“  müssen wir also auch ins Netz. Aus dem eben erwähnten (oberflächlichen) das Netz kommt ins Radio (mit vereinzelten Servicethemen oder mal einer Kommunikation per Facebook), muss ein programmliches das Radio muss ins Netz werden.

Warum gibt es abends z.B. immer noch nur Special-Musik Sendungen? Gerade ab 19 Uhr ist doch nahezu die halbe Hörerschaft im Internet unterwegs. Wir kümmern uns im Programm aber um HipHop oder Jazz oder andere special-interest-Musikrichtungen. Dabei wäre das die absolut perfekte Zeit für eine YouTube Show, eine Google-Show, eine Facebook-Show, eine Gaming-Show o.ä.. Dann wären wir wirklich da, wo unsere Hörer sind.

Einhergehen müsste diese Umdenke mit einer Investition in neue Mitarbeiter, in Weiterbildung und (voraussichtlich auch) in eine veränderte Redaktionsorganisationsstruktur. Die Programmplaner müssen zunehmend bimedial denken. Und warum hat noch (fast gar) kein Sender eine eigene Online-Redaktion? Dabei wäre das eine klare Investition in unsere bestehende On Air Marke. Zudem können wir in unserer aufgesplitterten Zielgruppenwelt mit solchen Themen neue und somit mehr Hörer abholen. Gleichzeitig können wir experimentieren – wie klingt Radio im Netz. Brauchen wir beispielsweise noch Services wie Verkehrshinweise und Wetter? Und wie klingen Nachrichten aus Netzperspektive? Was braucht es für Musik und wie stark ist der Hörer dabei verantwortlich – gibt es wohlmöglich ein komplett individualisiertes Musikformat? Alles Fragen, die  wir dort testen und gleichzeitig beweisen könnten – es gibt kein klassisches Medium, das so gut wie das Radio mit dem Internet interagieren kann. Und das ist unsere Zukunftsgarantie.

Das Facebook-Experiment

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Facebook und Radio, gehört das zusammen? Ja, auf jeden Fall, aber noch nicht jeder Radiosender hat das verinnerlicht. Dabei  steigen die Facebook-Nutzer-Zahlen stetig  – konnte das Netz Ende 2010 noch auf knapp 14 Millionen Nutzer in Deutschland blicken, sind es aktuell beim Verfassen dieses Artikels schon 16.215.380. Und das Interessante gerade für uns Radiomacher: Rund 70% der Nutzer sind zwischen 13 und 34 Jahren alt. Nimmt man die nächste Alterskohorte bis  44 Jahre dazu, sind es sogar satte rund 90% (alle Zahlen siehe  facebookmarketing.de – Einen guten Zahlen-Überblick vor allem im Vergleich zur Schweiz und zu Österreich bietet auch Thomas Hutter ).

Getreu der alten Radioweisheit  –  Radio ist da, wo die Hörer sind – müssen wir also auf der Plattform Facebook vertreten sein. Viele Sender sind dies auch schon. Die Facebook-Freundezahlen schwanken aber immens. (Eine gute Deutschland-Übersicht inklusive der Zahl der Facebook-Freunde hat der Kollege Sebastian Pertsch  ins Netz gestellt.) Facebook-Giganten sind zum Beispiel planet radio und sunshine live, die jeweils schon über 100.000 Freunde haben. Ihnen auf den Fersen sind 1 Live, big FM und SWR 3 mit über 80.000 bzw. rund 60.000 Freunden. Es gibt aber auch große Sender – häufig öffentlich-rechtliche wie Deutschlandfunk oder fast alle NDR-Wellen – die bei Facebook noch gar nicht vertreten sind.

Aber was machen die Radiosender bei Facebook. Ich habe das Facebook-Experiment gemacht und habe eine Woche lang die Postings von 10 Radiosendern verfolgt. Das Ergebnis – so unterschiedlich die Sender in Ausrichtung und Klang sind, so unterschiedlich ist auch ihre Facebook-Kommunikation. Die Zahl der täglichen Postings schwankt zwischen ein/zwei wöchentlich bis hin zu höchstens acht am Tag. Inhaltlich lassen sich vier Cluster bilden.

  1. Promi- bzw. Boulevard-Nachrichten –  Radio Energy ist einer der Facebook-aktiven Sender und postet z.B. so: „Michelle Pfeiffer in der Gosse… Was treibt die Schauspielerin zwischen Mülltüten am Straßenrand? Das erfahrt ihr auf ENERGY.de“. Der Verweis auf die Homepage gehört bei diesen Postings in der Regel dazu. Häufig wird diese Kommunikation auch mit einer  direkten  Frage an die Hörer angereichert: „Chris Brown darf sich Rihanna wieder nähern. Zwei Jahre nach dem Angriff ist der Sicherheitsabstand zwischen Rihanna und Chris Brown aufgehoben. Findet ihr das richtig? Mehr dazu gibt’s auf ENERGY.de“.
  2. Programm- und Off-Airteasings – Radio Fritz, auch einer der „Viel-Poster-Sender“ nutzt Facebook in diese Richtung: „Radio Fritz hat gerade gelesen, dass sich männliche Kapuzineräffchen auf Hände und Füße pinkeln, um Weibchen anzulocken und rumzukriegen. Jetzt fragt Hendrik Schröder Euch ab 12 im High Noon: Was waren die schönsten, schlimmsten und dämlichsten Anmachen, die Ihr bisher erlebt oder fabriziert habt? Ruft an: 0331 70 97 110. Oder postet gleich hier.“ Dabei interessant, die Art der Ansprache: Wir, Radio Fritz, machen das…, was macht Ihr. Klassisch dem On Air-Prinzip folgend gibt es kein Posting ohne Sendernamen, ein Prinzip, das auch 1Live vom WDR durchgehend verfolgt, SWR 3 postet manchmal so.
  3. „Lebensgefühl-Postings“ – bei SWR 3, einem der wenigen  Zielgruppenälteren und Facebook-aktiven Sender liest sich das so: „SWR 3 sucht heute das Glück. Habt ihr es zufällig gesehen?“ Ebenfalls recht sparsam, Antenne Bayern: „Frühling 2011 – wo bist du?????“.
  4. Nachrichten-Postings – Antenne Düsseldorf geht diesen Weg in der beobachteten Auswahl am konsequentesten und postet täglich 2x so: „Die aktuellen Lokalnachrichten: Wehrhahn-Linie: Ab April wird es oberirdisch etwas ruhiger, Mord in Eller: Staatsanwaltschaft will schnellen Prozess, Kritik an Kö-Bogen-Plänen wird lauter, Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, und: Public Viewing zum Song Contest – Ort weiter unklar.“  Bei den meisten anderen Sendern findet dieses Posting wenn nur auf einzelne Nachrichten bezogen statt: „1Live freut sich mit den Studenten im Sektor. Es ist eines der zentralen Wahlversprechen von Rot-Grün – am Donnerstag (24.02.11) hat der Landtag die Abschaffung der Studiengebühren beschlossen. Ab Oktober müssen die Studenten nicht mehr zahlen. Die SPD feiert. CDU und FDP fürchten um die Qualität der Lehre…“

Neben den inhaltlichen Unterschieden schwanken auch die Längen der Postings – Das Ding z.B. postet gerne lang: „Wir haben mal ganz investigativ nachgefragt, wie viel Ahnung die Miss Internet vom Internet hat… Tiffany Sachs aus Nagold hat sich in der Mittagspause einen Tag vor Bewerbungsschluss bei einer Misswahl im Netz beworben. Einfach so, aus dem Bauch raus: Freund und Familie wussten von nichts; plötzlich hatte Tiffany eine Krone auf und war eine echte Miss!“ Während Radio Fritz eher die kurze Variante bevorzugt: „Radio Fritz freut sich über Sonnenstrahlen auf der Nase!“  In Sachen Ansprache wird in der Regel geduzt. Optisch sind die Postings meist mit dem Logo verbunden. Einen anderen Weg geht hier FFH: Der Sender hat in der Testwoche mit seinem Logo gerade vier Postings gesetzt, häufiger posten die Moderatoren mit ihrem Foto. 

Insgesamt zeigt sich also – Radio und Facebook ist ein sehr weites (Spiel-)Feld. Ganz klar ist aber, die Hörer machen mit. Auf allen Seiten wurden die Fragen, Anregungen, Tipps der Sender von den Hörern aufgenommen, kommentiert und beantwortet – insgesamt also ein gut funktionierender Rückkanal und ein Muss für jeden Radiosender.    

Die beobachteten Sender waren: SWR 3, Das Ding, Radio Fritz, planet radio, WDR 2, Radio FFH, HR 3, 1Live, Antenne Bayern, Antenne Düsseldorf.

“Radio to go” meets “Radio to go”…

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big fm / Radio 2015 / Radio Zukunft / radio.de / Trend
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… und war enttäuscht vom Panel “The future of Radio”.

Frankfurt, 18. Januar, 11.25: Es ist der zweite Tag beim deutschen Medienkongress in der alten Oper, auf dem Plan steht der Radiogipfel mit dem Unterttitel „Radio to go“. Erwartungsvoll sitze ich dort mit gezücktem Stift und Block in nur mäßig gefüllten Reihen – und stelle schnell fest – das ist ja total old school: Um mich herum blitzen die iPads auf. Eine kurze Umfrage beim Printgipfel zwei Stunden zuvor zum Besitz von iPads hatte fast alle Arme in Masse in die Höhe schnellen lassen. Ich verspreche mir innerlich, 2011 werde ich auch iPad-Besitzer.

Den Impulsbeitrag steuert Dr. Babak Zeini bei, seines Zeichens Geschäftsführer Force Innovations und externer Berater Zentralbereich Products & Innovations, Deutsche Telekom. Nun ja, im Nachhinein sehe ich im Netz, Dr. Zeini setzt gerne Impulse. Hier in Frankfurt berichtet er 15 Minuten über fünf (Medien-?) Trends: Beschleunigung, Clouds, Mobile, Personalisierung und veränderte Lebensrhythmen. Leider fehlte aber der Rückpass zum Radio. Keine Hinweise dazu, welche Trends wie, wann und wo ins Radio „schwappen“ könnten oder müssten. Ich blieb mit einem Fragezeichen im Gesicht sitzen – was wollte mir Herr Zeini sagen???

Exkurs: Leider ist sein Vortrag im Netz nach dem Kongress auch nicht nachlesbar. Er gehörte zur langen Liste der Referenten, die ihren Vortrag zum Download nicht frei gegeben hatten. Aus meiner Sicht per se ein Unding. Denn in den meist üppigen Preisen für solche Medienmeetings sollte diese Option als „Service am Kunden“ verpflichtend sein. Doch das nur am Rande!

Sei ‘s drum, dachte ich, und freute mich auf den Höhepunkt, den Radiogipfel, männlich bestückt mit Dr. Zeini, der fortan aber meist schwieg und den Herren Bernd Mannewitz –ERGO Versicherungsgruppe -, Olaf Lasalle – NEWCAST GmbH -,Kristian Kropp – RPR 1/Big.fm und Bernhard Bahners – radio.de. Die Zukunft des Radios auf der Moderationskarte hatte Klaus Janke, Redakteur von HORIZONT. Die zahllosen Fragen, die laut Programmheft auf dem Radiogipfel zu Sprache kommen sollten, wurden mehr oder weniger gestriffen, manche Kleinbereiche auch beantwortet. Grundsätzlich habe ich mir auf die old-school-Art folgendes notiert – in der Reihenfolge der ersten Wortbeiträge:

Lasalle: Radiomacher sind zurückhaltend beim Geld ausgeben für Netzthemen, Kundenanfragen gibt es kaum, in fünf Jahren hören wir alle mobil.

Mannewitz: ERGO wartet auf Ideen, wie Radio seinen großen Vorteil „Nähe zum Kunden“ in die neue Medienwelt übertragen will. ERGO fehlt die Währung, wen und wie oft erreiche ich den Kunden mit facebook, twitter, App., Radioprogramm, Homepage…

Bahners: Radiomarken müssen im Netz barrierefrei empfangbar sein. Es fehlt eine Währung in Bezug auf das Internet. Die Erfahrung: Apps werden runter geladen, zwei- bis dreimal genutzt und dann weggeworfen.

Kropp: bigFM war ein Nebenprodukt (habe ich das richtig verstanden?) des Projektes „Musik suchen, Musik finden“. Seine Bibel sind die Kim- und Jim-Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest. bigFM versuchte seinen Hörern für jede Stimmung die richtige Musik zu bieten. bigFM hat eine 10-Jahres-Planung, weil man sich so mehr auf die Marke konzentriert hätte. Stuttgart 21 hat gezeigt, „Top down“ geht nicht mehr – „button-up“ ist der richtige Weg.

Nach knapp 50 Minuten war „der Spuk vorbei“.  Kurze Zusammenfassung, keine Fragen aus dem Plenum und so stand sie da – „The future of radio“?! Ein wenig dünn, die Suppe. Aber vielleicht sieht sie auf dem iPad notiert (noch) besser aus.

Blip.fm + Flattr.com = Radio 2015?

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flattr.com / Radio 2015 / Trend
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Dienstag – 19 Uhr: Connect-Termin mit Neunetz-Blogger Marcel Weiss im Rahmen des Studiums Online-Radio. Es geht um die Zukunft des Radios. Marcel ist fasziniert von Plattformen wie Blip.fm, oder Last.fm. Zugegeben – hier ist der User selbst Musikredakteur. Er kann seinen Musikgeschmack als Vorbild eingeben und erhält einen Stream aus eigenen Stücken und Empfehlungen zurück. Er lernt neue Stücke aus seiner Musikgeschmackumgebung, er hat keine störende Werbung, er muss sich nichts zum tausendsten Mal Robbie Williams anhören. Also eine Art iPod in der Cloud. Aber ist das Radio? Ist das gar eine Alternative zu einem moderierten Gesamtprogramm? Ich finde nicht. Das ist doch kein Radio. Radio ist ein komplexeres Gebilde als ein Musikstream (Sicherlich wird es mehr als spannend, wenn die „klassische“ AC-Musikauswahl keinen Massengeschmack mehr erreicht. Bislang ist es aber –noch- nicht so weit). Radio ist Musik plus Nachrichten, Moderatoren, Comedy… .

Und Flattr.com als Finanzierungsidee: Hörer nutzen das Angebot X an und spenden – je nach Gefallen und Brieftasche – einen Betrag X. Hmm, na ja, nett, da kann möglicherweise ein wenig Geld fließen. Aber das reicht doch höchstens, um eine Plattform mehr oder weniger ehrenamtlich zu führen. (Die TAZ vermeldete nach rund 6 Monaten ca. 7000 Euro Einnahmen mit rückläufiger Tendenz). Eine Redaktion kann so nicht bezahlt werden. Und klappt in Deutschland überhaupt ein Prinzip „Spenden für mediale Leistungen“? Ich befürchte nein, das hat Deutschland nicht so gelernt. Da wir zudem auch nicht gerade als Innovationsjunkies bekannt sind, bräuchte ein Sender wenn ein langen Atem. Heute wäre es jedenfalls äußerst schwierig, einen Etatplan für ein reines Flattr.-Radio zu schreiben.

Insofern  Blip.fm + Flattr.com = Radio 2015

Wie viel Radiotrend will der Hörer?

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Radio 2011 / Radio Zukunft / Trend
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Das neue Jahr startet und die Trendwelle rollt auf allen Kanälen: Was kommt dieses Jahr?

Was wird hip, was ist out? Worauf müssen wir vorbereitet sein? Medial stehen dabei natürlich wieder mal Fernsehen, Zeitung und Netz im Vordergrund. Einen – aus meiner Sicht – guten Überblick zum „Status Quo Radio“ gibt JB auf Radioszene.de. Sein Fazit – große Innovationen seien nicht zu erwarten. Aber warum auch? Will der Hörer wirklich einen neuen Trend? Will er einen anderen Musikmix? Will er ein trendiges Radio? Ich glaube (noch) nicht!

Bislang gibt es einen die Deutschen von Norden bis Süden einenden  (AC-) Musikgeschmack, um den sich die journalistischen Inhalte – abhängig von Budgetmöglichkeiten  – mehr oder weniger drum gruppieren lassen. Das funktioniert, das eint die Massen, das sind die Zutaten, die die von Hans-Jürgen Krug beschriebenen Radioautomatismen (Radiowecker, Küchenradio, Autoradio) befeuern.

Und so trendlos ist das Radio ja gar nicht. Die zahllosen Stationen in Deutschland experimentieren mit den neuen Medien, sind ständig auf der Suche nach dem optimalen Kommunikationsfeld mit dem Hörer und hinterfragen auch (meist) ständig Ihr Programm. In NRW lässt sich z.B. feststellen, dass der aktuelle Programmtrend eindeutig heißt – zurück zu den journalistischen Wurzeln. Der berühmte Content lebt.

Grundsätzlich hat Radio sowieso einige unschlagbare Vorteile: Besonders in kleinen Sendeanstalten lässt sich vieles – in meist zwar engen Finanzgrenzen, dafür aber auch mit überschaubarem Risiko – probieren und schnell umsetzen, Die ständig neu sprießenden Kommunikationsformen im Netz sind eine Spielwiese für die Interaktion Radio-Hörer. Das Problem ist nur, es bekommt keiner mit. Denn so positiv die länderbezogene Radiowelt in Sachen Vielfalt/Innovation ist, so negativ ist sie in Sachen gemeinsamer Selbstvermarktung. Wenn es einen Trend bräuchte, dann den, das Radio muss sich als Gattung besser verkaufen – die Radiozentrale (mit ihrer aufmerksamkeitsstarken Spotkampagne „Radio. Geht ins Ohr. Bleibt im Kopf.“) ist da ja ein guter Anfang. Das ist jetzt auch keine sagenhaft, neue Erkenntnis. Aber besonders zu Jahresanfang fällt es immer besonders auf. Dann kommen z.B. die medialen (TV-)Lautsprecher auf die Straßen gestürmt und stellen Ihre vermeintlichen Programmneuerungen vor. Das Radio läuft weiter automatisch, jeden Morgen, immer frisch und neu und man bekommt es mit – nebenbei.

Wer braucht DAB+?

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DAB+ / Radio Zukunft
Foto: Daniel Labs/pixelio.de

(Foto: Daniel Labs/Pixelio.de)

 

Große Aufregung Mitte Dezember: Nach langem Verhandeln, nach diversen Fristverlängerungen, nach zähem Suchen nach zusätzlichen Geldgebern war es am 15. Dezember doch soweit: Sendenetzbetreiber Media Broadcast und fünf private Radiobetreiber (zu den 5 Sendern siehe…)waren sich einig. Sie wollen DAB + gemeinsam auf den Weg bringen. Den letzten „finanziellen Schubs“ hatte wohl der britische Chiphersteller „Frontier Sillicon“gegeben (seine Chips sind in den neuen DAB+Empfängern enthalten). Er versprach, die beteiligten Radiosender in den nächsten vier Jahren finanziell zu unterstützen. „Just in time“, denn just an diesem Tag lief die von der KEF – offiziell: Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten – aufgestellte letzte Frist aus. Damit scheint der Weg frei für weitere 42 Millionen Euro Fördergelder.

Prompt gab es huldvolle Worte wie z.B. vom ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust: „Wenn jetzt alle Beteiligten so konstruktiv zusammenarbeiten, wie es sich im Augenblick abzeichnet, bin ich zuversichtlich, dass das Radio eine gute Perspektive hat, sich auch in der digitalen Welt den Stellenwert zu erhalten, den es heute über UKW hat“.

Klingt schön, ist vielleicht auch schön, aber wer braucht DAB+? Auf der schweizerische Seite digiradio.ch werden die Vorteile von DAB so beschrieben: Ausweitung der Vielfalt, Platz für Spartenprogramme, kein Frequenzsalat, Möglichkeit für Zusatzdienste wie Anzeigen der Playliste, CD-Cover, zusätzliche Dienste unabhängig vom Programm. „Na und“ kann ich da nur sagen, haben wir doch schon. Jeder Radiosender, der eine (einigermaßen zeitgemäße) Homepage und einen Stream anbietet, kann diesen Nutzwert für den Hörer vorhalten und tut es.

Wo ist dann der Sinn, soviel Geld in die neue Technologie zu pumpen. Rund 200 Millionen sollen es nach Inge Seibel-Müller seit Anfang der 90er Jahre schon gewesen sein und der Erfolg – überschaubar bis nicht erkennbar. Das an sich ist ja schon traurig. Hinzu aber kommt – waren Anfang der 90er Jahre die erwähnten Zusatznutzen noch etwas Besonderes (und gaben dem Projekt einen Grund, es umzusetzen), hat das Internet diese inzwischen alle vereinnahmt. Und das Internet ist für uns alltäglicher Umgang, für Radiohörer eine gelernte und jederzeit nutzbarer Verlängerung des Programms und auch gelernter Verbreitungsweg. Und das Internet haben wir schon (demnächst auch im Auto) Warum also DAB+, warum immer weiter Geld in eine Idee stopfen, der 90er Jahre Sinnhaftigkeit verschwunden ist und damit auch jeglicher Grund, ein entsprechendes Extragerät zu kaufen (siehe auch sueddeutsche.de)???

MM, „Radio to go“ und die Frage – warum blogge ich?

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detektor.fm / fritz.de / Online Radio
Foto: Marion Mennicken

Ich liebe Radio, ich glaube an die Zukunft dieses Medium und ich studiere seine Zukunft. Im Rahmen dieses Studiums startet dieses Blog. Vielleicht (hoffentlich) wird es ein Trichter für Radioideen. Denn es passiert viel, aber wie immer beim Radio, viel überall. Und – kaum Einer bis Keiner weiß, was der Andere macht. Wer kennt z.B. die neue innovative Playliste von Radio Fritz vom RBB oder das übersichtliche Archiv von detektor.fm, Wer weiß, wie viel Facebook braucht der Sender oder ist die Sender-App das allheilbringende Mittel? In diesem Blog möchte ich solche Themen aus meiner Antennensicht anschneiden und bestenfalls Ideen aus der großen Radiowelt sammeln.